Erich Mühsams Tagebücher

herausgegeben von Chris Hirte und Conrad Piens, Verbrecher Verlag.

 

»Mitreißende Tagebücher, die sich mit den bedeutendsten des 20. Jahrhunderts messen können und bisher weitgehend unbekannt waren. Es bietet das richtige Mischungsverhältnis von privaten und öffentlichen Mitteilungen, ist Chronik des kulturellen und politischen Geschehens und ein Stück Sittengeschichte.«

Volker Hage / Spiegel

 

Inhalt:

15 Jahre lang, von 1910 bis 1924, hat Erich Mühsam, der berühmteste deutsche Anarchist, sein Leben festgehalten: ausführlich, stilistisch pointiert, schonungslos auch sich selbst gegenüber und niemals langweilig.

Was diese Tagebücher so fesselnd macht, ist der wache Blick des Weltveränderers. Mühsam wollte Anarchie praktisch ausprobieren. Anarchie hieß für ihn: Leben ohne moralische Scheuklappen, ohne Rücksicht auf Konventionen – und er bewies, dass es geht. Auch das Schreiben ist Aktion, in allen Sätzen schwingt die Erwartung des Umbruchs mit, den er tatsächlich mit herbeiführt: Die Münchner Räterevolution ist auch die seine, und die Rache der bayerischen Justiz trifft ihn hart. Mühsams Tagebücher sind ein Jahrhundertwerk, das es noch zu entdecken gilt.

 

Erich Mühsam, geboren am 6. April 1878 in Berlin, war ein Dichter und politischer Publizist. Er war maßgeblich an der Ausrufung der Münchner Räterepublik beteiligt, wofür er zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt wurde. 1933 wurde er verhaftet und am 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg von der SS-Wachmannschaft ermordet.

 

Die historisch-kritische Ausgabe der »Tagebücher« wird von Chris Hirte und Conrad Piens herausgegeben. Sie erscheint in 15 Bänden im Verbrecher Verlag und zugleich als Online-Edition. Der Anmerkungsapparat im Internet bietet neben einem Sach- und Personenregister und ergänzenden Materialien die digitalisierte Handschrift und umfassende Suchfunktionen, unter: www.muehsam-tagebuecher.de.

Band 1 (1910–1911)  erschien 2011, Band 2 (1911-1912) und  Band 3 (1912-1914) 2012. Band 4 (1915) und Band 5 (1915-1916) erschien 2013.

 

Chris Hirte war Mitherausgeber der Erich-Mühsam-Werkausgabe beim Verlag Volk und Welt (1978-1985). Seine Mühsam-Biographie erschien 1985 im Verlag Neues Leben. 1994 veröffentlichte er bei dtv München eine Auswahl aus den Tagebüchern. Seit 2009 arbeitet er gemeinsam mit Conrad Piens an der Gesamtausgabe der Tagebücher.

Conrad Piens ist Informatiker und Antiquar. Gemeinsam mit seiner Frau Irina betreibt er seit 1999 die Website www.muehsam.de, die u.a. eine umfassende Bibliographie zu Werk und Wirkung Erich Mühsams enthält. Neben der Herausgebertätigkeit sorgt er für die Aufbereitung der Tagebuchtexte für die Online-Edition und betreut die Website www.muehsam-tagebuecher.de.

 

Auszeichnungen / Nominierungen von Band 1 der „Tagebücher„:

 

Pressestimmen zu Band 1 der „Tagebücher“:

»Es dauert keine zehn Minuten – und der Leser ist dem Sog dieses Lebens, der Stärke und Eigenart dieses Charakters erlegen. Man hat ein Hauptwerk Mühsams vor sich, einen kleinen München-Roman und ein Dokument unbefangener, undogmatischer Freiheitsliebe. Der Text lässt sich auch im Internet nachlesen, dort kann man mit der Handschrift vergleichen, sich über Personen und Ereignisse informieren. Wo möglich, verweist der Kommentar auf Wikipedia. Das ist intelligent und leserfreundlich gemacht und jederzeit zu ergänzen.«

Jens Bisky / Süddeutsche Zeitung

»Wer ein Sitten- und Kulturbild jener Epoche aus dem besonderen Blickwinkel des politischen Außenseiters vermutet, liegt richtig. Wer anarchischen Sprengstoff erwartet, erst recht. Und das liest sich wunderbar sarkastisch und ironisch. Wer seine „Unpolitischen Erinnerungen“ kennt, weiß, dass Mühsam fast das gesamte Personal der Kunstbewegung kannte, die sich als Expressionismus etablieren sollte. Tag für Tag kann man so verfolgen, wie Mühsams Netzwerk wächst. Und man ist durch zahlreiche Anekdoten bereichert, die einem diese aufregende Zeit näher bringen als sogar Mühsams „Erinnerungen“ selbst.«

Volker Hummel / Frankfurter Rundschau

»Mühsam macht Spaß. Seine Tagebücher gewähren Einblick in ein ereignisreiches Leben, am Anfang des vorigen Jahrhunderts.«

Birgit Güll / Welt

»In diesen Tagebüchern aber findet der Schriftsteller Erich Mühsam zu sich selbst und erschafft ein einzigartiges Zeitdokument.«

Klaus Birnstiel / Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Ein einmaliges zeitgeschichtliches Dokument.«

Oliver Pfohlmann / Neue Zürcher Zeitung

»Die Aufzeichnungen liefern ein großartiges Sittenbild der deutschen Kulturgeschichte im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, mit allem Klatsch und Tratsch, in allen Finessen und Details.«

Julian Schütt / Basler Zeitung

»Und so sind diese Tagebücher vor allem eine außergewöhnliche Sittengeschichte, die die Weite des damaligen anarchistischen Denkens deutlich machen. Sie sind ein kulturgeschichtlicher Schatz und das literarische Vermächtnis des 1934 von den Nazis Ermordeten.«

Andreas Fanizadeh / taz

»Ein großes Vorhaben und der erste wirklich überzeugende Versuch, Buch und Internet plausibel und produktiv zu kombinieren.«

Frank Dietschreit, rbb Kulturradio

»Ein wunderbares Unternehmen. Eine Geisterbahn durch das erste Viertel des Zwanzigsten Jahrhunderts – und eine Fundgrube satirisch-literarischer Kostbarkeiten aus dem Grenzbereich von Bohème und Politik.«

Jürgen Werth / WDR 5

»Die Lektüre ist vergnüglich und erhellend.«

Brigitta Lindemann / WDR 3

»das mutigste Buch dieses Herbstes (…) Und sein Tagebuch ist Literatur. Es ist Krankenakte („Der elende Tripper“), kommentierte Geschichte und Kunstkritik („Ich ging mit einigem Misstrauen an den beinah 600 Seiten Wälzer heran – aber ich bin angenehm enttäuscht“). Politik und Gossip. Ernst und komisch.«

Maren Keller / KulturSPIEGEL

»www.muehsam-tagebuch.de ist ein großartiges Tummelfeld für den Leser: Namen und Stichworte verweisen auf kurze Erläuterungen, auf Links zu ausführlicheren Informationen und auf Links zu jenen Tagebucheinträgen, in denen ebenfalls von dieser Person oder jener Sache die Rede ist. Eine Vernetzung, wie sie im Buche steht: Man kann die Tagebücher entlang einzelner Figuren oder Themen lesen oder sich einfach treiben lassen.«

Katrin Schuster / der Freitag

»Und jetzt muss eine verlegerische Großtat bejubelt werden: die Edition der Tagebücher des Anarchisten, Dichters und Räterevolutionäres Erich Mühsam, die der Verbrecher Verlag zugleich als Printfassung und online auf den Weg bringt. Mühsams Werk, das zeigt bereits der erste Band aus den Jahren 1910/11, stellt ein Zeitdokument ersten Ranges dar – das ironisch geschilderte Leben der Münchner Boheme zwischen Finanznöten, Erotik und Politik.«

Elke Brüns / Tagesspiegel

»Die trotzige Lebenslust, grimmige Selbstbeschau und die kluge Charakterisierung und Karikierung von Mitmenschen machen die 350 Seiten zu einer anregenden Lektüre.«

Cornelia Geißler / Berliner Zeitung

»Die Mühsam-Tagebücher zeichnen eindrucksvoll ein historisch-kulturelles Panorama, gleichzeitig liefern sie politische und ästhetische Reflexionen des ständig von Geldnöten geplagten Dichters.«

Tobias Schwartz / Märkische Allgemeine

»Was einen sofort reinzieht in die Tagebücher, ist Mühsams selbstverständliches Vermischen von Politischem und Privatem. Bei aller Überzeugung, dass ein Leben außerhalb der Gesellschaft möglich sei, kommt auch das Gesellschaftliche – in Gestalt von Klatsch aus der Münchner Bohème – nicht zu kurz.«

Sebastian Fasthuber / Falter (Wien)

»Das macht die Tagebücher so ungemein lesenwert, weil sie ganz ohne die Phrase der Agitation auskommen, sondern Erich Mühsam ganz unverstellt, manchmal fast naiv, manchmal mit Forscherneugier schildert, was ihm widerfährt.«

Tomas Fitzel / SR 2 KulturRadio

 

Pressestimmen zu Band 2 der „Tagebücher“:

„Im soeben erschienenen zweiten Band (…) tummelt sich der linke Aktivist Mühsam überwiegend in der Münchener Bohème Schwabings. Seine präzise Sprache (schiefe Sätze findet man selten) übt einen großen Sog aus, der den Leser sehr gerne teilhaben lässt an diesem großen Ich- und Zeitdokument.“

Jürgen Lentes / Frankfurter Rundschau

„Der hier schreibt, ist ein manchmal lustiger, übermütiger, mitunter aber auch trauriger Bohemien, ein Brettl-Dichter, der in Künstlerkreisen verkehrt, ein Flaneur auch; ein wenig ein Hallodri, aber ein sympathischer. Er schreibt uneitel, ehrlich, ist geistreich, ein junger Dichter, der nach Anerkennung sucht. Ein Zitat zu Mühsams Selbstsicht : „Es ist ein wahrer Skandal, dass ich nicht viel mehr anerkannt werde.““

Sally Sallmann / Kulturradio-rbb

„Die von dem Anarchisten und Freidenker Mühsam mit Sorgfalt geführten und flott geschriebenen Tagebücher sind mehr als eine reine Selbstbespiegelung. Sie sind als seltenes zeitgeschichtliches Dokument eine faszinierende Chronik der gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Verfassung jener Zeit, ferner ein Stück Sittengeschichte und zugleich ein Who is Who der damaligen Polit- und Kulturszene.“

Bernd Philipsen / Schleswig-Holstein Journal – Wochenendjournal des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages

„Eine Chronik nicht nur über 15 Jahre seines wild bewegten Lebens und seiner zahlreichen Amouren, seiner permanenten Geldknappheit und seines Wirkens als Revoluzzer mit Bohemienstatus sowie seiner geringen literarischen Erfolge, sondern diese Aufzeichnungen gewähren auch einen großartig-subjektiven, ungeschminkten Einblick in das politische, wirtschaftliche, soziale, gesellschaftliche und kulturelle Geschehen vor, während und nach dem 1. Weltkrieg.[…] Eine historisch-politisch-literarische Lektüre, die absolut lohnt.“

Hannes S. Macher / Forum Politikunterricht

„Sie sind eine große späte Entdeckung: die Tagebücher des 1878 geborenen Poeten, Publizisten und anarchistischen Politikers Erich Mühsam […]. Bis ins Jahr 1924 setzt er die Aufzeichnungen fort, die ihn als genauen Beobachter seiner Umgebung und stilsicheren Schriftsteller erweisen. Pointiert, polemisch und schonungslos hat er mit diesen Heften ein Jahrhundertwerk hinterlassen.“

Harry Oberländer / Faust-Kultur

„Was für ein herrliches Lotterleben!“

Frank Willmann / Info-Portal Weltexpress
Editionsplan:

Band 1 – 1910–1911 / erschienen 2011
Band 2 – 1911–1912 / erschienen März 2012
Band 3 – 1912–1914 / erschienen Dezember 2012
Band 4 – 1915 / erschienen Mai 2013
Band 5 – 1915–1916 / erschienen November 2013
Band 6 – 1919 / erscheint voraussichtlich Mai 2014
Band 7 – 1919–1921 / erscheint voraussichtlich Herbst 2014
Band 8 – 1921 / erscheint voraussichtlich Frühjahr 2015
Band 9 – 1921–1922 / erscheint voraussichtlich Herbst 2015
Band 10 – 1922 / erscheint voraussichtlich Frühjahr 2016
Band 11 – 1922 / erscheint voraussichtlich Herbst 2016
Band 12 – 1922–1923 / erscheint voraussichtlich Frühjahr 2017
Band 13 – 1923 / erscheint voraussichtlich Herbst 2017
Band 14 – 1923–1924 / erscheint voraussichtlich Frühjahr 2018
Band 15 – 1924 / erscheint voraussichtlich Herbst 2018