Alfred Andersch desertiert. Fahnenflucht und Literatur (1944-1952)

 

Von Jörg Döring, Felix Römer und Rolf Seubert

Sachbuch, erschienen im März 2015 im Verbrecher Verlag

 

Alfred Andersch ist Westdeutschlands berühmtester Deserteur. Sein autobiografischer Bericht „Die Kirschen der Freiheit“ (1952) beschreibt die Umstände seiner Fahnenflucht aus Hitlers Wehrmacht am 6. Juni 1944 in Italien. Aber war er überhaupt ein Deserteur?

Seit in seinem Nachlass ein Text auftauchte, den Andersch schon 1945 im Kriegsgefangenenlager geschrieben hatte und in dem die Gefangennahme gar nicht als Desertion geschildert wird („Amerikaner – Erster Eindruck“), sind Zweifel daran laut geworden, ob Andersch zu Recht in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin als Deserteur geehrt wird. Niemals bislang ist der Versuch unternommen worden, Anderschs Selbstbeschreibung anhand militärhistorischer Quellen zu überprüfen.

Das vorliegende Buch versammelt diese Dokumente und erzählt eine in Teilen andere Geschichte: „Die Kirschen der Freiheit“ im Lichte der Akten. Eine Geschichte vom Überleben im Krieg, vom Heldenmut der Kampfesmüden und von den literarischen Verfahren der Selbstkonstruktion eines Autors.

 

Jörg Döring ist Professor für Germanistik an der Universität Siegen. Zuletzt erschienen: „Alfred Andersch revisited“. (gemeinsam herausgegeben mit Markus Joch 2011).

Felix Römer ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am German Historical Institute London und lehrt an der London School of Economics. Zuletzt erschienen: „Kameraden. Die Wehrmacht von innen“ (2012).

Rolf Seubert lehrt als Akademischer Oberrat Erziehungswissenschaft an der Universität Siegen. Zuletzt erschienen: „‚Mein lumpiges Vierteljahr Haft …’. Anderschs KZ-Haft und die ersten Morde von Dachau.“ In: Jörg Döring/Markus Joch (Hg.): „Alfred Andersch revisited“. (2011).

 

Pressestimmen:

„Das große Verdienst dieser Publikation besteht – neben der guten Lesbarkeit! – zum einen in der Auswertung und Darstellung neuer Quellen, zum anderen in der werkstrategischen Einordnung von Anderschs Desertionsnarrativ.“

Jochen Schimmang / Frankfurter Allgemeine Zeitung

 

„In einem erstaunlich gut geschriebenen Buch liefern sie eine akribische Rekonstruktion von Anderschs Weg als Radfahrsoldat auf dem italienischen Kriegsschauplatz, Informationen über die keineswegs unwichtige Rolle von Radfahrbataillonen, Bildmaterial, heimliche Abhörprotokolle, Selbstauskünfte und Befragungen. Das ergibt einen sehr plastischen Eindruck vom Kriegsausgang und den Folgen, der ganz unabhängig vom konkreten Anlass zu lesen sich unbedingt lohnt.“

Erhard Schütz / ZEIT Online
„“Alfred Andersch desertiert“ von Jörg Döring, Felix Römer und Rolf Seubert [ist] ein packend geschriebenes Buch. Vom grobschlächtigen Sebald-Pamphletismus ist es Lichtjahre entfernt. Auch dem ansonsten leider oft zu lesenden sperrigen Germanistenjargon wird nicht gefrönt. Die Recherchen werden kompakt, schlüssig und emotionslos präsentiert; die Editierung ist vorzüglich. So interessant kann Germanistik sein.“

Lothar Struck / Glanz & Elend. Literatur und Zeitkritik

 

„Das Buch liest sich ungemein gut und flüssig, um nicht zu sagen spannend.“

Norman Ächtler / literaturkritk.de

 

„Von Dichtung und Wahrheit, Erinnerung und Diskurs, Anderschs Biographie und seinem Œuvre handelt auch die Neuerscheinung, um die es hier geht. Allerdings könnte der Kontrast zur früheren Andersch-Kontroverse stärker kaum sein. Denn nachdem diese von Entrüstung, Enttäuschung oder Verteidigung geprägt war, haben die drei Autoren nun eine sachliche, minutiöse Recherche unternommen. Mithilfe deutscher und alliierter Militärakten konzentrieren sie sich auf überprüfbare Fakten, auf deren Kontextualisierung und das historische Verstehen.“

Benedikt Wintgens / H-Soz-Kult

 

„Indem die Autoren dem Faktualität reklamierenden Selbstbericht hinsichtlich des Mikronarrativs  der Fahnenflucht eine historische Rekonstruktion zur Seite stellen, liefern sie nachgerade ideales Material, um das seit geraumer Zeit große Aufmerksamkeit findende Konzept der Autofiktion zu vertiefen.“

Matthias Schöning / Zeitschrift für Germanistik