Der goldene Löffel

von Chaim Noll, DDR-Roman, Verbrecher Verlag

 

»Chaim Nolls 20 Jahre alter Niedergangs-, gleichzeitig jedoch auch vitaler Selbstbefreiungs-Roman verstört und fasziniert noch immer.« Marko Martin / Deutschlandradio Kultur

 

Inhalt:

Ein junger Mann in der DDR in den Siebziger Jahren. Sein Vater ist Funktionär, es geht ihm überdurchschnittlich gut, dass die Ehe der Eltern bröckelt, interessiert ihn kaum. Er verbringt die Tage im Haus der Künstlerfamilie seiner Freundin, die Mutter zieht Strippen von Ost nach West. Alle haben sich eingerichtet. Doch bald kommt dem jungen Mann die Liebe dazwischen, und Fragen stellen sich ihm, die ihn zu etwas ganz anderem werden lassen als einem hoffnungsvollen und begeisterten Kandidaten der Partei…

Chaim Noll zeichnet in diesem erstmals 1989 bei der Deutschen Verlagsanstalt erschienenen Roman ein schauriges Panorama der untergehenden DDR. Er erzählt von den Vergünstigungen der Parteifunktionäre, aber auch von ihren Ängsten, Beklemmungen und dem Willen, sich zu widersetzen. Von den Mechanismen, die Menschen zerstören, sie in Paranoia, in den Alkohol, ins Mittläufertum drängen nicht nur in der DDR.

 

Chaim Noll wurde 1954 in Ostberlin geboren. Sein Vater ist der Schriftsteller Dieter Noll. Er verweigerte den Wehrdienst in der DDR. 1983 reiste er nach Westberlin aus, 1991 verließ er mit seiner Familie Deutschland und lebte in Rom. Seit 1995 lebt er in Israel. Er veröffentlichte unter anderem: „Der Abschied“, Roman (1985); „Berliner Scharade“, Roman, (1987); „Die Wüste lächelt“, Gedichte (2001) und „Meine Sprache wohnt woanders. Gedanken zu Deutschland und Israel“ (mit Lea Fleischmann, 2006). Im Verbrecher Verlag erschien 2008 sein Roman „Der Kitharaspieler“ , 2009 der Roman „Der goldene Löffel“ und 2010 der Roman „Feuer“.


Pressestimmen:

»Der Roman „Der goldene Löffel“ von Chaim Noll erschien im September 1989 in Westdeutschland und prophezeite das baldige Ende der DDR. Der kleine Verbrecher Verlag aus Berlin hat ihn nun pünktlich zum Jubiläumsjahr 2009 wieder veröffentlicht. In den deutschen Feuilletons wartet man seit Jahren ungeduldig auf den „großen Wenderoman“. Vielleicht aber erzählt uns dieser höchst spannende und mit Blick auf kleinste Nuancen geschriebene „kleine Wenderoman“ schon das Meiste, was man wissen muss.«
Ulrich Gutmair / fluter.de

»Der neugierige Leser jedoch hat eine veritable Trouvaille vor sich, einen rasanten Berlin-Roman nämlich, dessen zweifelhaftes Figuren-Ensemble alles andere als verstaubt wirkt. Im Gegenteil: Eher ist es so, dass das humane (jedoch nie selbstgerechte) Erschrecken des jungen Ich-Erzählers noch heute packt, noch immer erschüttert angesichts der menschlichen Schäbigkeit einer selbsternannten Avantgarde des Proletariats. Gleichzeitig gelingt Noll das Kunststück, den geistigen und atmosphärischen Mehltau, den er beschreibt, nicht etwa als redlich-dokumentarische Ödnis an den Leser weiter zu geben, sondern – sofern die etwas verrutschte Metapher hier erlaubt ist – selbst aus dem Grau des pseudo-elitären Ostberlins noch literarische Funken zu schlagen. (…) Chaim Nolls 20 Jahre alter Niedergangs-, gleichzeitig jedoch auch vitaler Selbstbefreiungs-Roman verstört und fasziniert noch immer.«
Marko Martin / Deutschlandradio Kultur