„Der Schmuggel über die Zeitgrenze“ von Chaim Noll

 

 

Der Schmuggel über die Zeitgrenze

 

Chaim Noll: Der Schmuggel über die Zeitgrenze

Erinnerungen, Verbrecher Verlag, 2015, Hardcover, 496 Seiten, Preis: 26,00 €, ISBN: 9783957320858

 

Im ersten Band seiner Erinnerungen beschäftigt sich Chaim Noll mit seiner Kindheit im geteilten Berlin. Noll, der vor zwanzig Jahren nach Israel auswanderte und heute in der Wüste Negev lebt, wuchs in Ostberlin auf, als Sohn des bekannten DDR-Schriftstellers Dieter Noll, der zur privilegierten Führungsschicht des Landes gehörte.

Doch nur vordergründig ist dieser Band eine Auseinandersetzung mit dem politischen System im Osten Deutschlands, gegen das Noll als junger Mann opponierte, bis er im Winter 1983 – nach Versuchen der Staatssicherheit, sich seiner Manuskripte zu bemächtigen – sein erstes Buch von Diplomaten in den Westen schmuggeln ließ und selbst einen Ausreiseantrag stellte.

Vor allem erzählt Noll die Geschichten von Menschen, prominenten und unbekannten, denen er im damaligen Berlin begegnete, und erinnert an die aufregende Geschichte seiner Geburtsstadt, die er noch heute für ihren Überlebenswillen bewundert.

Nolls Erinnerungen sind spannend, zugleich warmherzig erzählt, klar formuliert und frei von Betulichkeit.

 

Einen Beitrag zu Chaim Noll gab es am 11.03.2015 in der Fernsehsendung exakt auf MDR, online unter: www.mdr.de/exakt/chaim_noll102.html

Chaim Noll war am 13.03.2015 zu Gast beim Langen Leseeabend des MDR zur Leipziger Buchmesse, die Videoaufzeichnung finden Sie unter: www.mdr.de/exakt/video259014.html

 

Chaim Noll wurde 1954 unter dem Namen Hans Noll in Ostberlin geboren. Sein Vater war der Schrift­steller Dieter Noll. Er studierte Kunst und Kunstgeschichte in Ostberlin, bevor er Anfang der 1980er Jahre den Wehrdienst in der DDR verweigerte und 1983 nach Westberlin ausreiste, wo er vor allem als Journalist arbeitete. 1991 verließ er mit seiner Familie Deutschland und lebte in Rom. Seit 1995 lebt er in Israel, in der Wüste Negev. 1998 erhielt er die israeli­sche Staatsbür­gerschaft. Chaim Noll unterrichtet neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit an der Universität Be’er Sheva und reist regelmäßig zu Lesungen und Vorträgen nach Deutschland.

Veröffentlichungen, u. a.: „Der Abschied“ (1985), „Unheimliche Tage“ (1987), „Berliner Scharade“ (1987), „Der goldene Löffel“ (1989, wieder Verbrecher Verlag 2009), „Nachtgedanken über Deutschland“ (1992), „Taube und Stern. Roma Hebraica. Eine Spurensuche“ (1994), „Die Wüste lächelt“ (2001), „Meine Sprache wohnt woanders. Gedanken zu Deutschland und Israel“ (mit Lea Fleischmann, 2006). Im Verbrecher Verlag erschienen die Romane „Der Kitharaspieler“ (2008), „Feuer“ (2010), „Die Synagoge“ (2014) sowie der Erzählungsband „Kolja. Geschichten aus Israel“ (2012).

 

Pressestimmen:

 

„Chaim Noll ist ein brillanter Beobachter, und seine Autobiographie die hoch interessante Betrachtung eines Abtrünnigen und wahrlich ein Geschichtsbuch voller Geschichten.“

MDR Fernsehen – Kulturmagazin Artour

 

„Chaim Noll hat viel zu erzählen, vor allem auch über seine jüdischen Wurzeln und wie es war, in der DDR als Jude leben zu wollen. […] Fast 500 Seiten Aufarbeitung von DDR-Geschichte(n) ohne Zorn, ohne Eitelkeiten und mit einer klugen Sicht auf die Akten. Die Stasi war auch bei Hans Noll im Einsatz.“

Thomas Mayer / Leipziger Volkszeitung

 

„Seine Erinnerungen spannen einen Bogen von seiner behüteten Kindheit in einer staatstreuen Familie über seine Wehrdienstverweigerung bis hin zum Ausreiseantrag. […] Ergreifend sind die Stellen, in denen er beschreibt, wie er verzweifelt versucht, die Einberufung zur NVA zu verhindern.“

Doreen Mildner / dpa

 

„Ein faktenreiches Zeitdokument, das sich dadurch auszeichnet, dass es intensive Einblicke in die literarische Szene der DDR erlaubt und äußerst fesselnd geschrieben ist.“

Neue Westfälische

 

„Chaim Noll erzählt ausladend, an manchen Stellen seiner Biografie hat er zu viel Alltägliches über die Zeitgrenze geschmuggelt. Dennoch lohnt die Lektüre. Im Gegensatz zu seinem Vater bekannte sich Noll offen zum Judentum und gibt einen Einblick in das schwierige jüdische Leben in der DDR: Israel galt als Aggressor und kapitalistischer Industriestaat.“

Tino Dallmann / MDR FIGARO

 

„Wer einen langweiligen Lebensbericht erwartet, täuscht sich. Noll erzählt mit viel menschlichem Mitgefühl die Geschichten der Menschen, denen er damals begegnete, ob Politbüromitglied, Professor, Maler, Schriftsteller oder hoher Parteifunktionär- sie werden ebenso einfühlsam beschrieben, wie die Tischler, Verkäuferinnen, Verwaltungsangestellten, Straßenbahnfahrer.“

Vera Lengsfeld / Achse des Guten

 

„… Chaim Noll legt mit seinen Erinnerungen eine der besten Autobiographien seit langer Zeit vor. Sie liest sich spannend, ist voller eindrucksvoll geschilderter Erlebnisse und Begegnungen und vermittelt wenig Bekanntes zur deutsch-deutschen Geschichte.“

Jörg Raach / genussmaenner.de – Das Online-Magazin

 

„Sie wollen wissen, warum der Kaffee bei der Witwe Egon Erwin Kischs in Ostberlin so gut schmeckte? Dann nehmen Sie doch diese Neugier zum Anlass, in dieses Zeitdokument einzutauchen. Es wird keine Enttäuschung geben, denn eine wesentliche Qualität dieser Erinnerungen ist Nolls – ich kann es nicht anders sagen: anständiger – Umgang mit den erwähnten Personen.“

Benjamin Stein / Turmsegler.net