Diskurspogo. Über Literatur und Gesellschaft

Von Enno Stahl, erschienen September 2013 im Verbrecher Verlag,

 

Warum ist realistische Literatur oft nur pseudo-realistisch und Popliteratur lediglich ein erfolgreiches Marketingprodukt? Steile Thesen, scharfe Analysen und Konzepte von Enno Stahl!

 

Inhalt:

In drei Kapiteln analysiert Enno Stahl – teils kritisch und konfrontativ, teils verwundert – die aktuel­len gesellschaftlichen Veränderungen, die Politik unserer Zeit und die (fehlende) Auseinander­setzung damit in der deutschen Gegenwartsliteratur. Er untersucht u. a. Christian Kracht, Ernst-Wilhelm Händler und Juli Zeh mit ideologiekritischer Verve, analysiert die Social-Beat-Bewegung, Poetry-Slams und die Anfänge des deutschen Punk im Ratinger Hof in Düsseldorf.

Außerdem geht es um Ausbeutung in der heutigen Arbeitswelt, von der katastrophalen Lohnsitua­tion bis hin zum Schlafentzug. Diese wird in der Gegenwartsliteratur kaum thematisiert, da Er­werbsarbeit hier keine Rolle zu spielen scheint. Demgegenüber entwickelt Stahl eine Programmatik, in der er zeitgenössisches literarisches Engagement fordert, eine Literatur, die sich den gesell­schaftlichen Aporien stellt.

Hier der Link zur Leseprobe.

 

Enno Stahl, geboren 1962, Studium der Germanistik, Philosophie und Italianistik (1997 Dr. phil.), lebt in Neuss. Seit Mitte der 1980er-Jahre veröffentlicht er Prosa, Lyrik, Essays, Glossen und Kritiken und ist als Herausgeber tätig. Stahl erhielt zahlreiche Stipendien und Preise, u. a. 2008 das Hörspielstipendium der Filmstiftung NRW. Zurzeit arbeitet er am Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf.
Im Verbrecher Verlag sind die Romane „2PAC AMARU HECTOR“ (2004), „Diese Seelen“ (2008) und „Winkler, Werber“ (2012) sowie in der Filmliteratur-Reihe „Für die Katz und wider die Maus“ (2012) erschienen.

 

Pressestimmen:

„Was soll man also mit dem Buch von Stahl machen, das von Anfang an augenscheinlich Unsinn verzapft? Sogleich durchlesen. Denn Stahl, ein ausgewiesener Kenner des literarischen Undergrounds, an dem er als Autor und Veranstalter mitgewirkt hat, weiß, was er tut: Er setzt sich bewusst eine tiefrot eingefärbte Brille made by Marx auf (Stahl spricht weniger salopp mit Foucault von „Wertungsdispositiven“) und blickt damit über die heutige Literaturlandschaft, wie sie sich etwa seit den 1990er Jahren herausgebildet hat.“

Maximilian Probst / ZEIT ONLINE

„Die Vermengung von Provokation und Analyse konkreter Texte macht „Diskurspogo“ zu einem großen Lesevergnügen.“

Ute Meyer / ak – analyse & kritik

„Pogo (…) dient Enno Stahl als Metapher für seine Essaysammlung, in eigenwilliger Verknüpfung mit Diskurs, jenem abgedroschenen Schlagwort der alten Linken. Also auch verbal eher anrempeln als an die Hand nehmen? Er kann zwar bissig werden, wenn er beispielsweise von den „beiden Hardcore-Asthmatikern Safranski und Sloterdijk“ spricht. Doch überwiegend urteilt er sehr differenziert.“

Jens Kassner / Leipziger Volkszeitung

„»Diskurspogo« erinnert in seiner Unmittelbarkeit und argumentativen Konsequenz an den Torpedokäfer – jenes Tier aus den Lebenserinnerungen Franz Jungs, »das immer wieder und mit unvermittelter Heftigkeit gegen eine Wand fliegt«, um Spuren zu hinterlassen – es sorgt für mehr als nur eine Schramme am Elfenbeinturm.“

Martin Willems / junge welt
INHALTSVERZEICHNIS

– Vorwort
– Zur Methode: Wertungsdispositive

I. Soziale Literatur
– Der sozial-realistische Roman
– Literatur in Zeiten der Umverteilung
– »Wir schlafen nicht.« New Economy und Literatur
– Kneipen-Jobber und Kulturschaffende
– Urbane Szenerien in der zeitgenössischen Lyrik
– Risikogesellschaften. Lyrik und ihre Bilder vom Sozialen
– Realismus und literarische Analyse

II. Pop, Punk und Terror
– Popliteratur – Phänomen oder Phantasma?
– Trash, Social Beat und Slam-Poetry. Eine Begriffsentwirrung
– Popliteratur – eine fragwürdige Kategorie
– Ratinger Hof – Thomas Kling und die Düsseldorfer Punkszene
– Literatur und Terror

III. Kultur und Gesellschaft
– Anti-(Schein-)Affirmation. Notiz zu einer zeitgenössischen Kulturkritik
– Bolz, Hörisch, Kittler und Winkels tanzen Pogo – erst im Ratinger Hof, dann deutschlandweit
– Wenn ein jeder zum Krämer wird. Über das Prekariat
– Utopie des Respekts

Anhang
– Quellennachweise
– Anmerkungen
– Namensregister