Gisela Elsners Gesammelte Erzählungen

in zwei Bänden: „Versuche, die Wirklichkeit zu bewältigen“ und „Zerreißproben“

Herausgegeben von Christine Künzel, Verbrecher Verlag

 

„Elsner ist gerade wegen ihrer Widersprüchlichkeiten, die sie sprachlich radikal austrägt, eine der herausragenden Autorinnen ihrer Generation.“ Helmut Böttiger / Süddeutsche Zeitung

 

Inhalt:

Bereits 1955 publizierte die damalige Schülerin Gisela Elsner erste kleine Erzählungen, 1956 erschien das gemeinsam mit ihrem späteren Ehemann Klaus Roehler verfasste Buch »Triboll«, in dem kurze, surrealistische Geschichten versammelt sind. Auch als Gisela Elsner längst eine gleichsam umstrittene wie gefeierte Romanautorin war, ließ sie nicht von der kurzen Form ab. In ihren Erzählungen antwortet Hermann Kafka auf den berühmten »Brief an den Vater« seines Sohnes Franz, Herr Leiselheimer will sich als progressiver Unternehmer bewähren, die Friedensbewegung nimmt Elsner ebenso aufs Korn wie den wütenden Kleinbürger, der seine NS-Vergangenheit verleugnet. Es gibt eine »vertrackte, abgeschmackt anmutende, haarsträubende Sache, über die man nur den Kopf schütteln kann«, das »Pop-Papp-Party-Projekt« findet statt, und schließlich lesen wir eine unglaublich komische Reportage von der Beerdigung der Gisela Elsner.

Diese Erzählungen zeugen von der großen Stilistin, der herausragenden Satirikerin und auch von der politischen Denkerin, die Elsner war. In den beiden Bänden »Versuche, die Wirklichkeit zu bewältigen« und »Zerreißproben« sind erstmals alle ihre Erzählungen versammelt.

Der Verleger Jörg Sundermeier und die Herausgeberin Christine Künzel stellen Gisela Elsner und ihre Werke gerne bei Veranstaltungen vor.

 

Gisela Elsner wurde 1937 in Nürnberg geboren, 1992 nahm sie sich das Leben. Für ihr Werk erhielt sie etliche internationale Auszeichnungen, darunter den Prix Formentor für ihren ersten Roman „Die Riesenzwerge“. Sie veröffentlichte acht Romane (u.a. „Abseits“, „Der Nachwuchs“, „Das Berührungsverbot“, „Der Punktsieg“, „Das Windei“), Erzählungen, Aufsätze, Hörspiele und das Opernlibretto „Friedenssaison“. Mitgliedschaft in PEN und DKP.

Seit 2002 erscheint im Verbrecher Verlag  eine Werkschau ihrer Schriften, betreut von der Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Dr. Christine Künzel. Im Rahmen dieser Werkschau wurden bisher folgende Bücher veröffentlicht: »Die Zähmung – Chronik einer Ehe«, »Das Berührungsverbot«, »Otto der Großaktionär«, »Heilig Blut«, »Fliegeralarm«. Zuletzt erschienen 2011 ihre Kritischen Schriften in zwei Bänden: »Flüche einer Verfluchten – Kritische Schriften 1« und »Im literarischen Ghetto – Kritische Schriften 2«.

 

Pressestimmen:

Ein ästhetischer Genuss ist vor allem Elsners Sprache, die fesselt und zugleich abschreckt. (…) Mit analytischer Schärfe wird die Wohlstandsgesellschaft und das Gebaren des westdeutschen Kleinbürgers aufs Korn genommen. Elsner setzt den literarischen Figuren ein waches Observationsauge ins Genick. So entgeht ihr keine Bewegung, die diese allesamt unsympathischen Kreaturen vollführen.

Carola Wiemers / Deutschlandradio Kultur

 

Nach Romanen und politischen Schriften erschienen jüngst zwei Erzählbände, […] die in jeglicher Hinsicht sehr gute Zeitdiagnosen sind. Elsner erzählt mal brutal realistisch, oft lakonisch distanziert, dann wieder surreal und im Wortsinne fabelhaft.

Jens Uthoff / taz. die tageszeitung

 

Ihr Leben und ihre Bücher sind ein Zoom in die Geschichte unserer Gegenwart. Das ist hart und schön zugleich.

Rainer Schaper / Radio SRF 2 Kultur

 

„Die Auferstehung der Gisela Elsner“ nennt sich eine Erzählung, die Elsner mit knapp dreißig Jahren geschrieben hat. Sie steht plakativ für die gegenwärtige Wiederentdeckung der in Vergessenheit geratenen „schmutzigen Satirikerin“, wie sie sich selbst bezeichnete.

Martin Hanni / kultur elemente


Ihre Texte handeln von der Künstlichkeit einer bürgerlichen Welt, die einerseits die Schrauben immer fester anzieht, andererseits verschroben daher kommt. Das Herausstechendste an Elsners hier vorgelegten Erzählungen ist: sie legt ein Zeugnis ihrer selbst ab, und das so fundamental und radikal, dass es einem die Luft abdrehen kann.

Karin Afshar / Glarean Magazin

 

Zugleich sind die Texte von einer grandiosen Sprachgewalt und von großem Witz – bei Elsner kein Widerspruch: Die Absurdität gesellschaftlicher Verhältnisse löst Lachen wie Verzweiflung in einem aus. […] Eine Ausnahmeerscheinung.

Claire Horst / AVIVA-Berlin

 

Auch hier sind G. Elsners Erzählungen mal kafkaesk-surreal, mal ganz konkret und nehmen in bitterböser, sarkastischer Art den „Selbstverwirklichungswahn“ frustrierter Hausfrauen, die Selbstgefälligkeit der Friedensbewegung aufs Korn oder sezieren provokant und radikal die gesellschaftlichen Verhältnisse der Bundesrepublik.

Dagmar Härter / ekz bibliotheksservice