„Godot hinter Gittern“ von Erika Tophoven

 

 

Godot hinter Gittern. Eine Hochstaplergeschichte

 

Erika Tophoven: Godot hinter Gittern. Eine Hochstaplergeschichte

Verbrecher Verlag, 2015, Hardcover, 144 Seiten, mit Abbildungen, 21,00 €, ISBN: 9783957321244

 

Karl Franz Lembke war ein Mann mit vielen Gesichtern. Für die einen, die ihn kennenlernten, war er der Dr. Allwissend, erfahren in Politik, Medizin, Pferdezucht und was immer gerade gefragt war, für andere, zu anderen Zeiten, ein mitleiderregender Zuchthäusler, doch stets ein Mann mit außergewöhnlichen Qualitäten.

Er wusste seine Talente geschickt zu nutzen – in Deutschland ebenso wie in Frankreich. Als junger, mehrmals straffällig gewordener Mann verlässt er sein Heimatland, gelangt im Zuge der Emigrantenströme nach Paris, wo er sich mit Charme und Verführungskunst in höhere Kreise einschmeichelt, Generäle und Verwaltungsbeamte düpiert, bei Ausbruch des Krieges nach Südfrankreich flüchtet und mit allerhand Hochstapeleien seine Haut vor dem Zugriff der deutschen Besatzer rettet.

Nach dem Krieg vagabundiert er durch Westdeutschland, betört Frauen durch märchenhafte Geschichten und erdichtet sich immer neue Identitäten. Er landet im Knast, bringt eine Aufführung von »Warten auf Godot« in eigener Übersetzung zustande, wechselt herzerweichende Briefe mit dem Autor Samuel Beckett und beschäftigt die deutsche und die französische Justiz nach seiner Freilassung noch jahrzehntelang.

Erika Tophoven, deren Mann Elmar unmittelbar in das Geschehen involviert war, rekonstruiert in einem spannenden Text den kurvenreichen Weg dieser Beckett’schen Bühnenfigur. Es ist ihr gelungen, anhand von unveröffentlichten zeitgeschichtlichen Dokumenten einen Blick auf die Lebensverhältnisse des vorigen Jahrhunderts diesseits und jenseits des Rheins zu werfen.

 

Das Buch wurde auf die Liste der Sachbücher des Monats im Februar 2016 gewählt. Ein Interview mit Erika Tophoven auf Deutschlandradio Kultur finden Sie HIER, eine Leseprobe hier.

 

Erika Tophoven-Schöningh, geboren in Dessau, hat vierzig Jahre lang, teilweise zusammen mit ihrem Mann Elmar Tophoven, Romane, Theaterstücke und Hörspiele aus dem Englischen und Französischen übersetzt, vorwiegend Werke von Samuel Beckett und Nathalie Sarraute. Ihr Hauptinteresse gilt Becketts Verhältnis zu Deutschland. Dazu erschienen der Kunstband „Alles kommt auf so viel an“ (2003) und die Bücher „Becketts Berlin“ (2005) und „Glückliche Jahre – Übersetzerleben in Paris“ (2011).

 

Pressestimmen:

 

„Tophoven schildert all dies in einem nüchternen, aber auch neugierigen Ton und montiert ihren Bericht mit Fotos und Dokumenten aus diesem Leben, das die meisten seiner Spuren in Archiven der Gerichte und Polizeistationen hinterlassen haben dürfte. Gerade unter diesem realistischen Blick wird der widersprüchliche Hochstapler Lembke irgendwann selbst zum Prototyp einer Beckett’schen Bühnenfigur. Gleichzeitig entsteht ein eindringliches Porträt der Nachkriegsära.“

Christina Lenz / Frankfurter Rundschau

 

„Erika Tophoven, selbst renommierte Beckett-Übersetzerin, ist der Lebensgeschichte dieses für gewitzte Gaunereien und Trickbetrug, Heiratsschwindel, Diebstahl und leere Versprechungen so begabten Menschen nachgegangen. Die Ergebnisse ihrer Recherche hat sie zu einer großartig konstruierten und immer wieder verblüffenden Hochstaplerbiografie zusammengetragen.“

Jorghi Poll / Buchkultur – Das internationale Buchmagazin

 

„Erstaunliches fördert Erika Tophoven auf ihrer Odyssee einer nachträglichen Ortung dieses Schicksals zutage. Sollen wir die Leute bedauern, die Lembke auf den Leim gegangen sind? Oder sie ob ihrer Zutraulichkeit belächeln? Im Laufe der Lektüre wird etwas anderes virulent: Man möchte diesen Mann selbst gekannt haben, gesehen haben, wie er „das“ machte.“

Dieter Wenk / TEXTEM.de

 

Bei Interesse an einer Lesung sende ich Ihnen gerne weitere Informationen zu!