Briefe von Max Herrmann-Neiße

in zwei Bänden, herausgegeben von Klaus Völker und Michael Prinz, Verbrecher Verlag

 

„Höhepunkt der Bände sind die Briefe ab 1933. Mit ihrer Hilfe öffnet sich dem Leser die Welt des Exils vor allem in Zürich und London. Herrmann-Neiße beschreibt das Leben in den fremden Städten mit der Scharfsicht des Außenseiters und einem Sinn fürs Detail, der die Vergangenheit zur Gegenwart werden lässt.“ Jacques Schuster / Die Welt

 

Inhalt:

Der aus Schlesien stammende Max Herrmann-Neiße (1886–1941) gehört mit seiner Lyrik, seiner Prosa und einigen Theaterstücken zur großen Zahl der SchriftstellerInnen, deren Werke 1933 verboten und verbrannt wurden. Wie viele andere gerieten er und sein Werk in Vergessenheit. Seine pessimistische Reflexion darüber, dass Opposition nirgends beliebt ist, behielt über seinen Tod hinaus Gültigkeit:

»Eher lässt man den erfolgreichen Verbrecher gelten, der die Macht erobert hat, als dass man einem machtlosen Empörer aus Überzeugung, einem anhanglosen Freiheitskämpfer, Gerechtigkeit widerfahren lässt.«

Die Lektüre der »Briefe« ermöglicht eine Wiederentdeckung von Herrmann-Neißes Werk. Darüber hinaus erzählen sie eindrücklich vom Leben der Boheme und dem Alltag eines Schriftstellers am Anfang des 20. Jahrhunderts, von seinen Reflexionen über den politischen Zustand Deutschlands, über sein Exil und sich selbst.

 

Max Herrmann-Neisse, 1886 in Neiße in Schlesien geboren, hat Gedichte, Theaterstücke und Prosatexte geschrieben. Durch die Veröffentlichung seiner Gedichte in den Zeitschriften »Die Aktion« und »Pan« wurde er bereits als junger Autor bekannt und wurde mehrfach ausgezeichnet. Neben Gedichtbänden schrieb er etliche Romane und Novellen, darunter »Cajetan Schaltermann« (1920), »Der Flüchtling« (1921) und »Die Begegnung« (1925). 1933, nach dem Reichstagsbrand, ging er ins Exil nach London und gründete dort gemeinsam mit Lion Feuchtwanger, Rudolf Olden und Ernst Toller den Exil-P.E.N.. Der einzige Gedichtband, der zu seinen Lebzeiten im Exil verlegt wurde, hatte den bezeichnenden Titel »Um uns die Fremde« (1936). Im April 1941 starb er in London. Der Band »Letzte Gedichte« wurde posthum von seiner Frau Leni veröffentlicht.

Der Herausgeber Klaus Völker stellt Max Herrmann-Neiße und sein Werk gerne vor!

 

Pressestimmen:

„In dichter Abfolge überliefert, lesen sich die Briefe mitunter wie ein Tagebuch, der Alltag des Schriftstellers wird deutlich. Der Leser bekommt auch Einblicke in das Kabarett- und Boheme-Leben der 1920er Jahre. […] Man erkennt Herrmann-Neißes politische Hellsicht in den 1920er Jahren, als er vor dem Aufkommen der Nazis warnt, seine Hellsicht in den frühen 1930er Jahren, als er die Kriegsgefahren benennt, seine strikte Ungebundenheit, als er den Stalinismus ebenso ablehnt wie den Nationalsozialismus und damit noch mehr zum Außenseiter in einer polarisierten Welt wird.“

Stefan Berkhoz / WDR 3 – Passagen

„Aber in diesen Briefen steckt auch eine Berliner Kulturgeschichte der zwanziger Jahre, wenn Max Herrmann-Neiße seinem in Breslau wohnenden Freund Friedrich Grieger […] von den Soirees in der Hauptstadt erzählt. Durch ein lexikalisches Personenregister, das allein fast zweihundert Seiten umfasst, wird Herrmann-Neißes Umkreis vorbildlich erschlossen – wie überhaupt die beiden Bände exzellent ediert und kommentiert sind.“

Andreas Platthaus / Frankfurter Allgemeine Zeitung

„In den Briefen beschreibt Max Herrmann-Neiße seine nächtlichen Streifzüge durch die Berliner Restaurants und Bars. […] Als der Reichstag brennt, packt er – weder Jude noch Kommunist, wie er gegenüber dem Home Office betont – am nächsten Tag seine Koffer und verlässt ein Land, in dem ein guter Demokrat nicht mehr leben kann.“

Arno Widmann / Frankfurter Rundschau

„Private Mitschriften ohne Gedanken an Archive, alltagsgenau, emotional und zugewandt, meist an einen Freund aus der schlesischen Heimatstadt oder die geliebte Frau gerichtet. Man kann sie nun neben die Briefe stellen von Franz Jung – der mit ihm befreundet war – und Gottfried Benn, den er nach dessen Schulterschluss mit den Nazis verachtete. […] Seine weitausgreifende, genießerische Aufmerksamkeit macht diese Briefe zur Fundgrube einer Epoche.“

Ekkehard Faude / Literaturblatt für Baden-Württemberg

„Höhepunkt der Bände sind die Briefe ab 1933. Mit ihrer Hilfe öffnet sich dem Leser die Welt des Exils vor allem in Zürich und London. Herrmann-Neiße beschreibt das Leben in den fremden Städten mit der Scharfsicht des Außenseiters und einem Sinn fürs Detail, der die Vergangenheit zur Gegenwart werden lässt. […] Hoffentlich bringen seine Briefe ihn endlich als den Dichter des Exils ins Gedächtnis zurück…“

Jacques Schuster / Die Welt