Neu: „Das Brot mit der Feile“ von Christian Geissler – Tagung im Literaturforum im Brecht-Haus

 

 

Am 5. September 2016 erscheint der Roman „Das Brot mit der Feile“ von Christian Geissler im Verbrecher Verlag, mit einem Nachwort von Ingo Meyer.

Der junge Jan Ahlers lebt bei seiner Großmutter in Hamburg, malocht auf dem Bau und gerät mitten hinein in den politischen Aufbruch der 60er Jahre. Christian Geissler gelingt es, die politischen Debatten jener Zeit, die unterschiedlichen Mileus und ihre Subsprachen präzise zu erfassen und darzustellen. Mit dieser Neuauflage wird einer seiner bekanntesten und einflussreichsten Romane wieder zugänglich gemacht.

„Christian Geisslers „Das Brot mit der Feile“ ist eine Widerlegung banaler Realismusvorstellungen und – nicht nur indirekt – ein Plädoyer für Literatur. Ein Glücksfall…“ (Heinrich Vormweg)

 

Vom 6. bis 8.10.2016 findet im Literaturforum im Brecht-Haus in Berlin die Tagung „Christian Geissler – Literatur als Grenzüberschreitung“ statt.

Neben zahlreichen Vorträgen gibt es u.a. eine Lesung von Robert Stadlober aus dem Roman und anschließend eine Diskussion mit Dietmar Dath, Helmut Böttiger und Didi Danquart, Moderation: Detlef Grumbach.

 

Weitere Informationen zum Buch und zur Tagung finden Sie unten. Detlef Grumbach (Vorsitzender der Christian-Geissler-Gesellschaft) steht gerne für Buchvorstellungen zur Verfügung.

 

 

DAS BROT MIT DER FEILE von Christian Geissler

Roman, mit einem Nachwort von Ingo Meyer
Leinen mit Leseband, 544 Seiten, 24 Euro, ISBN 978-3-95732-201-2
Erscheint am 05.09.2016 im Verbrecher Verlag

 

Jan Ahlers ist 17. Er lebt bei seiner Großmutter in Hamburg, malocht auf dem Bau, ist nicht zufrieden mit sich und der Welt. »Alles bloß immer Hund!« ist einer seiner Lieblingssprüche. Die Handlung beginnt 1960, und ein breit angelegtes Milieu fächert sich auf: Bundeswehrsoldaten, ein Sozialarbeiter, ein Franzose, Kommunisten, ein Gangsterboss, ein Arzt, ein NDR-Journalist…
In »Kalte Zeiten« (1965) erzählte Christian Geissler einen Tag im Leben von Jan Ahlers. Mit »Das Brot mit der Feile« (1973) ändern sich die Perspektiven und der Tonfall in Geisslers Prosa. Ahlers gerät mitten hinein in den politischen Aufbruch.
Der Literaturwissenschaftler Ingo Meyer setzt in seinem Nachwort das literaturästhetische Profil des Romans in Bezug zu den Debatten um eine linke Ästhetik und arbeitet die Spezifik von Geisslers »Poetik des Widerstands« heraus.

»Dieser Roman ist die erste komplexe erzählerische Realisation des Widerstands, des Protests, des Veränderungswillen, wie sie in den sechziger Jahren in der Bundesrepublik aufkamen.« (Heinrich Vormweg)

Vorzugsausgabe: Von diesem Roman gibt es eine auf 20 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe mit je einer Original-Tuschezeichnung des Freiburger Künstlers Harald Herrmann. Bei Interesse bitte beim Verlag melden.

 

Christian Geissler wurde am 25. Dezember 1928 in Hamburg geboren. Nach einem nie abgeschlossenen Studium der Theologie, Philosophie und Psychologie in Hamburg, Tübingen und München arbeitete er ab 1956 als freier Schriftsteller. Geissler arbeitete u. a. beim NDR, war Mitherausgeber der linken Literaturzeitschrift Kürbiskern, Dokumentarfilmer und Dozent an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Neben seinem Debüt »Anfrage« (1960) ist »kamalatta« (1988) sein bekanntester Roman. Er lebte zumeist in Hamburg und Ostfriesland und starb am 26. August 2008. Außer seinen Romanen veröffentlichte Geissler zahlreiche Hörspiele, Dokumentarfilme und Lyrik-Bände.
Im Verbrecher Verlag erschienen im Rahmen der Christian-Geissler-Werkschau bislang die Bände »Wird Zeit, dass wir leben« (2013) und »Kalte Zeiten/ Schlachtvieh« (2015).

 


TAGUNG

 

Christian Geissler – Literatur als Grenzüberschreitung
6.- 8.10.2016 im Literaturforum im Brecht-Haus
Ausführliche Programminformationen hier.

 

Abendveranstaltungen

Donnerstag, 6. Oktober 2016, 20.00 Uhr:
„Altersgenossen 1969“ – Zwei Filme Christians Geisslers
Einführung: Didi Danquart, gezeigt werden die Filme „Altersgenossen“ (HR 1969) und „Immer nur Fahrstuhl ist blöde“ (NDR 1969)

Freitag, 7. Oktober 2016, 20.00 Uhr:
„Christian Geissler: Ästhetik. Politik. Widerstand“ – Lesung und Diskussion
Robert Stadlober liest aus „Das Brot mit der Feile“, über die besondere Bedeutung Geisslers und seine Aktualität diskutieren Dietmar Dath, Helmut Böttiger und Didi Danquart, Moderation: Detlef Grumbach

 

Vorträge und Diskussionen

Freitag, 7. Oktober 2016

10.00 – 10.45 Uhr:
Sabine Peters (Autorin): Radikalität bei Christian Geissler – Literatur als politische und ästhetische Grenzüberschreitung.

10.45 – 11.30 Uhr:
Helmut Peitsch (Universität Potsdam) – Was bedeutete Vergangenheitsbewältigung in den frühen 1960er Jahren? Christian Geissler und die «Werkhefte katholischer Laien»

11.45 – 12.30 Uhr:
Britta Caspers (Universität Duisburg-Essen) – Bewusstseinsbilder. Christian Geisslers Erzählung «Kalte Zeiten» zwischen Dokumentarismus und ‹Neuer Subjektivität›

14.00 -14.45 Uhr:
Peter Ellenbruch (Universität Duisburg-Essen) – Die äußere Wirklichkeit des bundesdeutschen Alltags. «Wilhelmsburger Freitag» von Christian Geissler und Egon Monk.

14.45 – 15.30 Uhr:
Ingo Meyer (Universität Bielefeld) – Wider die Verkitschung des revolutionären Subjekts.  Milieu, Figur und Handlung bei Christian Geissler

16.00 – 16.45 Uhr:
Sven Kramer (Leuphana Universität Lüneburg) – Aspekte des Widerstands in Christian Geisslers später Prosa

Samstag, 8. Oktober 2016

10.00 – 10.45 Uhr:
Didi Danquart (Kunsthochschule für Medien Köln) – Sprache als Musik und Deutung. Christian Geisslers lyrischer Kommentar zum Film «Der Pannwitzblick» (1991)

10.45 – 11.30 Uhr:
Jan Decker (Autor) – Ein Kosmos oppositionellen Sprechens, hörbar gemacht. Christian Geisslers Hörspiele «Taxi Trancoso» und «Walkman weiß Arschloch Eins A»

11.45 – 12.30 Uhr:
Ulrich Lampen (Regisseur) – Nachgehen. Christian Geisslers Hörspiele «wanderwörter» (2001) und «ohrenaufbohren» (2011, posthum)

 

Veranstalter der Tagung: Christian-Geissler-Gesellschaft e.V. (www.christian-geissler.net) in Kooperation mit dem Literaturforum im Brecht-Haus.