so schön

Der volle Titel lautet: „und als der prinz mit dem kutscher tanzte, waren sie so schön, daß der ganze hof in ohnmacht fiel. ein utopisches filmmanuskript“

von Ronald M. Schernikau, herausgegeben von Thomas Keck und mit einem Nachwort von Stefan Ripplinger, Verbrecher Verlag

 

Ronald M. Schernikau schildert eindrücklich und mitreißend die (politische) Schwulenbewegung Westberlins der 80er Jahre. Und er geht der Frage nach, ob man mehr als einen Menschen lieben kann.

 

Inhalt:

Tonio und Franz lieben sich, Bruno und Paul lieben sich auch. Die jungen Männer demonstrieren für den Frieden und singen, sie werden politisch aktiv oder nicht, sie gehen was trinken, sie lesen und lümmeln. Ronald M. Schernikau hat in diesem Buch, das er Mitte der 80er-Jahre publizieren wollte und das erst als Einlage in »legende«, veröffentlicht werden konnte, der Schwulenbewegung Westberlins ein Denkmal gesetzt. Und er geht der Frage nach, ob man mehr als einen Menschen lieben kann.

tonio trifft franz. franz geht die treppe hoch, tonio geht sie runter. tonio dreht sich nach franz um, franz lacht und bleibt stehn. tonio traut sich nicht und geht weiter. franz kehrt wieder um. dann rennen tonio und franz über eine straße lachend. es ist ganz hell und sommer, und auf der straße kaufen viele leute ein. es ist eine fußgängerstraße. franz reißt tonio mit mit seinem lachen. eigentlich wollte tonio nämlich stark sein. tonio wollte heute nicht auf die klappe gehn. aber er ging doch und hat auf der treppe dahin franz getroffen.

 

Ronald M. Schernikau, geboren 1960 in Magdeburg, DDR, aufgewachsen in Hannover, BRD. 1980 Umzug nach Westberlin, Studium der Germanistik, Philosophie und Psychologie. Ab 1986 Studium am „Institut für Literatur Johannes R. Becher“ in Leipzig, DDR. 1989 Staatsbürgerschaft der DDR und Übersiedlung nach Berlin. Dramaturg Hörfunk und Fernsehen bis zu seinem Tod 1991. Veröffentlichungen: „kleinstadtnovelle“ (1980), „die tage in l.“ (1989), „dann hätten wir noch eine chance“ (1992), „legende“ (1999). 2009 erschien „Königin im Dreck“ im Verbrecher Verlag. Siehe auch www.schernikau.net

Der Herausgeber Thomas Keck stellt Werk und Autor gerne vor!

 

Pressestimmen:

Eine schöne, kurzweilige Prosa, die die Anfänge der 80er Jahre aufleben lässt, stilistisch wie inhaltlich. Und die zeigt, dass diese Heterotopie durchaus noch aktuell ist. „So schön“ ist nicht nur ein Buch für Schernikau-Fans, sondern auch ein idealer Einstiegstext für jene, die den Schriftsteller noch nicht kennen sollten. Es lohnt sich garantiert!“
Angelo Algieri / queer.de

 

„Utopie? Eben nicht, der Text ist eine sanfte Schilderung einer knallharten westdeutschen Homosexuellensozialisierung, Ausflüge in die Arbeitswelt der Protagonisten zeigen die herrschende Homophobie, das Sich-Versteckenmüssen. Und natürlich wird nebenher auch politisch gearbeitet, sitzen die Freunde in kommunistischen Gruppierungen zusammen und legen sich auf Demos mit der Polizei an. Utopie? Dann doch, denn der Text lässt im Zusammenleben der Hauptakteure eben eine andere Welt entstehen, eine, die doch möglich zu sein scheint, in der das Andere nicht mehr bekämpft werden muss.“

Tina Manske / CULTurMAG. Literatur, Musik & Positionen

 

„Die ziselierte Miniatur war Schernikaus Metier. Viele prosaische und essayistische Varianten weisen seine Meisterschaft aus.“

Robert Best / junge Welt