Mühsams Tagebücher, Bd.3

1912-1914, herausgegeben von Chris Hirte und Conrad Piens, Verbrecher Verlag.


Erich Mühsam führte 15 Jahre lang, von 1910 bis 1924, ein Tagebuch. Und schuf damit ein „einmaliges zeitgeschichtliches Dokument.“ (Oliver Pfohlmann/Neue Zürcher Zeitung)

 

Inhalt:

Der dritte Band der »Tagebücher« beginnt im Juni 1912 mit Heft 10, und knüpft an den vorherigen an: Er erzählt von seinen Erlebnissen in der Münchner Boheme, von Klatsch und Tratsch ebenso wie von Theateraufführungen, Diskussionen, Finanznöten und Liebesaffären. Die regelmäßige Rechenschaft seit knapp zwei Jahren hat sich gelohnt, sein Tun ist planvoller geworden. Doch kurz nachdem er Heft 11 be­gonnen hat, versiegt seine Feder.

Erst nach 20 Monaten Tagebuchabstinenz geht es weiter – mit einem gewaltigen Donnerschlag. Der I. Weltkrieg hat begonnen. Mühsam braucht das Tagebuch jetzt, um Schock und Verzweiflung in Worte zu fassen, die Trümmer seiner alten Gewissheiten neu zu sortieren. Er braucht lange, bis er die Propa­gandalügen durchschaut und zu einer eigenen Haltung findet. Das Kriegstagebuch dokumentiert sein Tasten und Irren, seine Suche nach der Wahrheit über den Krieg und nach einer neuen Rolle für sich selbst. So bleibt Mühsam trotz aller Abstürze bei sich und bei seinen Lesern: Als einer, der seine Wege und Irrwege offenlegt und zu einem Stück deutscher Geschichte werden lässt.

 

Erich Mühsam, geboren am 6. April 1878 in Berlin, war ein Dichter und politischer Publizist. Er war maß­geblich an der Ausrufung der Münchner Räterepublik beteiligt, wofür er zu 15 Jahren Festungshaft ver­urteilt wurde. 1933 wurde er verhaftet und am 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg von der SS-Wachmann­schaft ermordet.

 

Die historisch-kritische Ausgabe der „Tagebücher“ wird von Chris Hirte und Conrad Piens herausge­geben. Sie erscheint in 15 Bänden im Verbrecher Verlag und zugleich als Online-Edition unter: www.muehsam-tagebuecher.de.

Die Herausgeber stellen Erich Mühsam und die Edition gerne vor und lesen aus den Tagebüchern!

 

Pressestimmen:

„Erich Mühsams Tagebücher sind intime Zeitdokumente, literarisches Bekenntnis und Botschaft an die Zukunft. Er hat ein Leben im Widerstand gelebt – gegen Konventionen, gegen Kriegstreiberei und Unmenschlichkeit.“

Peter Künzel & Matthias Leitner / Münchner Feuilleton

„Dieser Band des Tagebuchs zeigt deutlich, dass auch Erich Mühsam zu Beginn des Krieges einen Selbst- bzw. Wiederfindungsprozess durchmachen musste. […] Es scheint (dabei) sein wichtigstes Werkzeug gewesen zu sein.“

Peter Bachstein / suite101.de