Yuropa. Jugoslawisches Erbe und Zukunftsstrategien in postjugoslawischen Gesellschaften

 

von Tanja Petrović

Sachbuch, übersetzt von Aleksandra Bajazetov, erschienen Mai 2015 im Verbrecher Verlag

 

 

„Tanja Petrović, eine 1984 in Jagodina (Jugoslawien) geborene und heute in Ljubljana lehrende Kulturwissenschaftlerin, zeigt, wie sinnvoll es sein kann, Europa durch die jugoslawische Erfahrung zu denken. […] Mit ihren Memory Studies füllt Petrović überhaupt ein bisschen die Rolle einer Aleida Assmann aus. Eindrücklich beschreibt sie die Metaphern, mit denen postjugoslawische Länder den Europadiskurs heute erfahren.“

Marc Reichwein / DIE WELT

 

 

Das ehemalige Jugoslawien gehört bei vielen Bürgerinnen und Bürgern seiner Nachfolgestaaten nicht mehr zu ihrer eigenen biografischen Erfahrung. Dennoch füllen die Abhandlungen darüber eine ganze Bibliothek. Woher rührt das große Interesse an diesem untergegangenen Staat? Dieser Frage geht Tanja Petrović in ihrem Buch „Yuropa“ nach.

Im ersten Teil behandelt sie die Vorstellungen vom ehemaligen Jugoslawien, die von EU-Politikern und in den postjugoslawischen Staaten selbst artikuliert werden. So wird etwa der Terminus „Westbalkan“ am ehesten negativ definiert: Er bezieht sich auf die Staaten, die (noch) nicht zur EU gehören. Auch innerhalb des postjugoslawischen Raums gibt es ein Arroganzgefälle von Nordwest nach Südost: Genau so gönnerhaft wie sich etwa Österreich gegenüber Slowenien verhält, verhält sich Slowenien gegenüber Kroatien und Kroatien gegenüber Serbien. Hier spiegelt sich die Auffassung wider, der Balkan sei eine ewige Peripherie, die es zu zivilisieren gelte.

Im zweiten Teil werden die Verleugnungsmechanismen, die sich die postjugoslawischen Staaten angeeignet haben, aufgezeigt. Die sozialistische Vergangenheit Jugoslawiens wird nicht nur von den EU-Politikern ignoriert – ihre positiven Seiten werden auch von den postjugoslawischen politischen Eliten in Abrede gestellt.

Mit „Yuropa“ hat Petrović ein Buch verfasst, das die aktuell vorherrschenden Spannungen in und zwischen den Nachfolgestaaten Jugoslawiens erklärt. Zugleich macht sie nachvollziehbar, warum beispielsweise junge Leute, die die Herrschaft Titos nicht mehr selbst erlebt haben, Chöre gründen, die sozialistische Arbeiterlieder singen.

 

 

Tanja Petrović, geboren 1974 in Svetozarevo (heute Jagodina, Serbien), promovierte 2005 an der Ljubljana School of Humanities und lehrt heute als Privatdozentin am Research Center of the Slovenian Academy of Sciences and Arts in Ljubljana. 2010/2011 war sie Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, 2013/14 Fellow am Netherlands Institute for Advanced Study in the Humanities and Social Sciences. Sie publizierte neben „Yuropa“ die Bücher „Ne tu, ne tam: Srbi v Beli krajini in njihova jezikovna ideologija v procesu zamenjave jezika“ (2006) und „A Long Way Home: Representations of the Western Balkans in Political and Media Discourses.” (2009). In Deutschland erschien zuletzt der Aufsatz „The past that binds us: Yugonostalgia as the politics of future” in dem von Srđa Pavlović und Marko Živković herausgegebenen Sammelband „Transcending Fratricide: Political Mythologies, Reconciliations, and the Uncertain Future in the Former Yugoslavia“ (2013).

 

 

Inhalt:

 

Vorwort zur deutschen Ausgabe

Einleitung

 

Teil 1: Europa

1. Westbalkan: Was verbirgt sich hinter dem Namen?

2. Auf dem Weg nach Europa und doch schon immer in Europa: Metaphern des EU-Beitritts und die politische Imagination in den Staaten des ehemaligen Jugoslawien

3. Sozialismus und Kolonialismus, Jugoslawien und Europa: Das historische Vermächtnis und zeitgenössische europäische Identitäten

 

Teil 2: Jugoslawien

4. Wie man sich um einen Namen drückt

5. »Die Armierung, die uns verbindet«: Politische Dimensionen der Erinnerung an Jugoslawien

6. »Als wir noch Teil Europas waren«: Darstellungen der Modernität auf den Trümmern des sozialistischen Jugoslawien

 

Post Scriptum

Jugoslawien im heutigen Europa denken …

… und Europa durch die jugoslawische Erfahrung denken

 

Anmerkungen

Bibliografie

Bildnachweis